Excellent Classics

Fahrspass pur

Die Planai Classic, der kalte kleine Bruder der Ennstal Classic, Österreichs Oldtimerrallye mit der höchsten Promi Dichte, war heuer mein erstes Ziel im neuen Oldie Jahr.

Wir wählten einen Austin 7 special single seater, Baujahr 1936, genau das Auto, das am wenigsten für einen Einsatz bei einer Rallye im Gebirge der Steiermark geeignet erscheint.

Dementsprechend aufwändig gestalteten sich die Vorbereitungen. Kotflügel wurden montiert, und das kleine Motörchen, ein 850ccm Vierzylinder mit Kompressor, durchgecheckt. Spikereifen hinten und 120er Winterreifen vorne sorgten für den nötigen Grip.

In der ganzen Vorbereitungszeit zeigte sich der Winter von seiner mildesten Seite, so war es kaum möglich das Fahrzeug im Schnee zu testen. Und, siehe da, pünktlich zum Planai Wochenende kündigte sich eine Schlechtwetterfront an.
Alles begann sehr positiv, die Anreise und der erste Prolog erfolgten bei strahlendem Winterwetter. Der Start in den ersten Rallye Tag erfolgte erst um 3:00 Uhr nachmittags, zu dieser Zeit war es mit dem schönen Wetter vorbei. Wir absolvierten die 150 km über Nebenstraßen und Bergpässe im Regen und Schnee. Besonders auf den verschneiten Bergstraßen zeigte sich das Auto von seiner besten Seite, die Winterreifen mit Spikes hielten treu die Spur und ließen nie das Bedürfnis nach Schneeketten aufkommen.
Beim Bergabfahren gab es nur eine klare Ansage: Nicht bremsen. Die Vorderräder blockierten sofort und die Reise ging geradeaus. Rechtzeitiges herunterschalten und ein Gasstoß zur rechten Zeit lösten das Problem.

Abends fiel die Temperatur auf circa 0° und es regnete weiter. Nun zeigte sich ein neues Problem: der Vergaser, der außerhalb des Motorraums montiert ist, saugte die Nässe an und verwandelte sie in Eis. Clemens Mayr, der mich in seinem Service Bus begleitete, hatte wirklich alle Hände voll zu tun. Dank seiner Unterstützung erreichten wir um circa 9:00 Uhr abends das Ziel in Gröbming. Wir starteten als zweite und kamen als letzte ins Ziel. Die Kleidung war zu diesem Zeitpunkt von Regen und Schnee stark gezeichnet. Es gab keine trockenen Stelle mehr an meinem Körper.

Nach einem schnellen Abendessen fuhren wir zurück ins Hotel um die Probleme zu beseitigen. Es wurde eine lange Nacht.
Am nächsten Tag zeigte das Wetter was so alles im Gebirge möglich ist: Sturmböen, Schnee, Temperaturen bei minus 10 Grad. Bei der Anfahrt zum Start am Flugfeld in Niederöblarn wehte es mich fast von der Strasse. Der nur 380 kg schwere Wagen war auf der schneeglatten Strasse Spielball der Naturgewalten. Am Flugfeld selbst war es etwas besser, die 8 Runden lange Sonderprüfung spulten wir problemlos ab, danach ging es zum grossen Finale, drei Gleichmässigkeitsfahrten auf die Planai Mittelstation, mitten im frisch verschneiten Schigebiet. Winterliche Bedingungen, dichter Schneefall, eine Strasse mit Schneefahrbahn ohne Salz und Split, einfach herrlich. Der kleine Wagen lies sich wunderbar dirigieren, nie hatte man das Gefühl dass der Grip auf dem glatten Untergrund fehlt, Drifts waren gewollt und machten richtig Spass. Das einzige "Problem" war die Wartezeit am Ziel, da ich als Zweiter gestartet war, musste ich ca 45 Minuten bei minus 9 Grad im Auto warten bis alle Teilnehmer angekommen waren, dann ging es im Konvoi wieder hinunter und gleich wieder hinauf. Bei der ersten Zwischenzeit im zweiten Run lag ich perfekt und freute mich schon darauf meinen ersten Platz in der Epoche zu verteidigen, da rüttelte es den Auspuff herunter. Das Rohr stach in den Schnee ein und zerstörte die hintere Befestigung. Mein Glück, so musste ich nicht aussteigen und konnte vom Fahrersitz aus den Auspuff lösen und am Fahrbahnrand deponieren. Bei der dritten Abfahrt hielt ihn ein Zuseher wie einen Bischofsstab in der Hand und ein Teilnehmer mit der passenden Kapazität im Fahrgastraum nahm das Rohr freundlicherweise mit ins Ziel.

Der zweite Platz in der Epochenwertung ist wie ein Sieg, die härteste Planai Classic aller Zeiten beendet zu haben, war mehr als wir erwarten durften. Wir haben den kleinen Austin sehr gut kennengelernt und ich freue mich schon auf den nächsten Einsatz bei der Race Car Trophy im Juli. Da haben wir sicher das schwächste Auto im Feld, aber ich werde beweisen, dass PS nicht alles ist.

Eines weiß ich jetzt schon: Es wird wieder Fahrspass pur.

Zum Austin Seven Single Seater

Austin 7 special single seater, Baujahr 1936, bei der Planai Classic

Mit dem Austin 7 special single seater, Baujahr 1936,
bei der Planai Classic 2015.

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